Julius Anton Baumann

von DI. Karl Ludwig Lupsiasca


Reschitza
Nr. 44

Julius Baumann war Sohn „einer römisch-katholischen und deutschbewußten Familie", wie er es selbst sagte, väterlicherseits Tiroler und Zipser, mütterlicherseits steirischer Abstammung. Im damaligen Ungarn begann er die Volksschule ungarisch, nach dem ersten Weltkrieg ging er in die deutsch gewordene Bürgerschule (Untergymnasium) seiner Heimatstadt. Während des Unterrichts als Privatschüler im Temeswarer Realgymnasium war Baumann bereits Angestellter des Reschitzaer Werks, im Konstruktionsbüro des Brückenbaus. Nach der Abitur kam er nach Graz, studierte dort an der Technischen Universität, pflegte Kontakte zu „donauschwäbischen" Studenten und betätigte sich in der schlagenden Burschenschaft Wieland-Staufen.
Mit dem Grazer Ingenieurdiplom ausgestattet, kehrte Julius Baumann in seine Heimatstadt und zum gewohnten Arbeitsplatz zurück. Sein Vorgesetzter, Oberinspektor Johann Janzer, der von der Wiener Niederlassung der berühmten Stahlkonstruktionsfirma Waagner-Biro nach Reschitza gekommen war, schätzte den jungen Ingenieur und vertraute ihm die Leitung des Büros für Statik und Konstruktion an. Nach Auflösung der Gewerkschaften 1938 und Bildung der sogenannten Zünfte, deren Mitglieder pflichtgemäß Arbeiter und Beamte waren, vertrat Baumann innerhalb der deutschen Zunft-Fraktion die Interessen der deutschen Beamten in Reschitza. Nach langwährenden Verhandlungen zwischen der gesetzlich anerkannten „Deutschen Volksgruppe" und der deutschen Zunftfraktion erfolgte am 1. Dezember 1940 die Gründung der Gebietsorganisation Bergland der „Deutschen Arbeiterschaft Rumäniens" (DAR), deren Leiter Julius Baumann wurde.
Drei Tage nach dem Umsturz flüchtete Julius Baumann über Dognatschka, Werschetz, Budapest und Wien nach Berlin, wo er zusammen mit DAR-Gefährten beauftragt wurde, eine Flüchtlingshilfe in Wien einzurichten. Vor dem Einmarsch der Sowjetarmee verließ er Wien, erreichte per Fahrrad Salzburg und kam etwas später nach Graz, wo er sich mit Installationsarbeiten seinen Unterhalt verdiente. Erst 1948 gelang es ihm wieder als Statiker und Konstrukteur angestellt zu werden, zunächst bei der „Wiener Brückenbau A.G.", danach, bis zur Pensionierung 1975, bei der „Österreichischen Alpinenmontan-Gesellschaft".
In Österreich trat Baumann dem Verband der Donauschwaben bei, wurde Obmannsstellvertreter und wirkte als Delegierter in der donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft im Verband der öaterreichischen Landsmannschaften und im Flüchtlingsbeirat Österreichs.
Nach dem Heimattreffen der Banater Schwaben 1980 in Ulm bildete sich ein Ausschuß, der für die Zukunft entschlossen war, für die Deutschen aus dem Banater Bergland gesonderte Heimattreffen zu veranstalten. Bei der ersten dieser Veranstaltungen in Mitterndorf/Österreich kam es zur Gründung des „Heimatverbands Banater Berglanddeutscher", zu dessen Vorsitzenden Julius Baumann gewählt wurde. Julius Baumann behielt dieses Amt zehn Jahre hindurch, bis 1991.
Bestrebt die Leistungen der Banater Deutschen aus dem Bergland der Öffentlichkeit vorzustellen, organisierte Baumann eine Ausstellung, die in mehreren Orten Deutschlands und Österreichs gezeigt wurde, veröffentlichte Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften und schrieb eine kurze Geschichte des Banater Berglands.
Nach der Wende in Rumänien, bemühte sich Julius Baumann Kontakte zu seinen Landsleuten in der alten Heimat zu vertiefen und unterstützte nach Möglichkeiten das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen. Seine alte Heimat besuchte Baumann 1991 anläßlich des Dognatschkaer Kirchweihfestes und 1995 anläßlich der Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die Rußlanddeportation, zu dessen Entstehen er einen bedeutenden Beitrag geleistet hatte. Zu diesem Aulaß wurde ihm am die Ehrenmitzliedschaft des Kultur-und Erwahsenenbildungsvereins „Deutsche Vortrags Reschitza verliechen.
In den letzten Jahren seines Lebens sonderte Julius Baumann aus seiner Bibliothek die für das Banater Bergland wichtigen Bücher und Zeitschriften aus. Sie wurden nach seinem Tode von Ladislaus Dubovszki nach Reschitza gebracht, dem DFBB übergeben und sollen als eine der wertvollsten Sammlungen in dem noch einzurichtenden Dokumentationszentrum in Reschitza aufgenommen werden.


Werk: Geschichte der Banater Berglanddeutschen Volksgruppe, Eckartschriften, Heft 109, Österreichische Landsmannschaft, Wien, 1989.
Bibl.: Herta Drozdik-Drexler, Erfolgreich tätig für

die Gemeinschaft der Banater Berglanddeutschen, Julius A. Baumann zum 90sten, in „Banater Berglanddeusche", Folge 79, März-April 1998; Georg Pischl, Julius Anton Baumann, in „Banater Berglanddeutscher", Folge 87, Juli-August 1999.