Bemerkungen von Dr. Franz Klima zu den Weihnachtsliedern aus Orawitza Sternsingerlied


    Der Herodesteil ist wahrscheinlich der Anfang, obwohl Frau Spreitzer (über 80 Jahre alt) sagt, er sei am Ende gesungen worden, nach der Deklamation der Könige, was aber unlogisch wäre. Ich hatte diesen Teil schon ganz vergessen. Meine Tante, Frau Gosetti, geb. Reng (ebenfalls über 80 Jahre alt) hat ihn mir wieder ins Gedächtnis gerufen. Ich glaube mich aber zu entsinnen, daß mein Vater auch den verbindenden Teil singen konnte, der zum "Wir kommen daher" überleitet. (Zwischen den Zeilen 6 und 7 vermutet Dr. Klima, daß einige Zeilen fehlen. Bemerkung Prof. Tibor Lichtfuss). Frau Kalcher hat mir bestätigt, daß auch sie es so kannte, wie ich es kenne.
    Das Lied wird in einem Gemisch von Mundart und Hochdeutsch gesungen. Das Hochdeutsche taucht auf, wenn Worte vorkommen, die in der Mundart nicht gebräuchlich sind, wie z.B. die Mitvergangenheit. Dies bedingt dann, daß auch die dazugehörenden Worte hochdeutsch ausgesprochen werden. Deshalb singt man: "Wir suchten es...", denn die Mundart kennt keine Mitvergangenheit "suchten"; hingegen heißt es: "Mir heilichen Dreikeenich", denn hier erfordert kein hochdeutsches, mundartfremdes Wort das hochdeutsche "Wir".
    Zeile 14: "Mir machen...", denn "machen" ist Gegenwart, die in der Mundart gebräuchlich ist. Jedoch: "Wir suchten, fanden usw.", denn die Mundart kennt diese Formen nicht.
    Zeile 15: "Wir machen es hübsch ...fein", denn "hübsch" ist mundartfremd, weshalb das mundartfremde "wir" gebraucht wird.
    Die Monologe der drei Könige - jeder spricht seine Strophe mit dem im wesentlichen gleichen Text, es ändern sich nur die entsprechenden Teile - werden deklamiert und keineswegs gesungen. Die Notierung mit Schlagzeugnoten soll nur ganz beiläufig andeuten, wo der Ton gehoben oder gesenkt wird. Man darf auf keinen Fall eine Melodie heraushören, jedoch muß der Rhythmus streng eingehalten werden.
Das "ich" mit langem „i" hat ein sehr deutliches "ch", weil es sehr betont und herausfordernd wirken muß. Ein betontes "ich" würde "i" lauten.
    Hie und da wurde statt "Deg`n" auch "Schwert" gesungen, aber die richtige Form ist "Deg`n".
    Bei Zeile 13 wurde, wie in der Anmerkung erwähnt, manchmal auch "Joseph, Joseph, zieg` s Hemmatlein aus" gesungen. In diesem Falle wird "Joséph, Joséph" verkehrt betont, da es die Melodie so verlangt.

Joseph, liebster Joseph mein

Wahrscheinlich handelt es sich um ein Fragment eines längst vergessenen Krippenspiels. Die Bitte der Maria wird ganz zart vorgetragen. Josephs Antwort ist polternd, aber am Ende sieht er ein, daß es seine Pflicht ist und schickt sich sofort (ohne Pause) an, das „Heidlpumpeidl" zu singen, aber doch mit ein wenig Unwillen, als wollte er sagen: „Na, ich mach es ja, wenn`s sein muß, aber Spaß macht es mir auf keinen Fall!" Er muß seine Worte sehr rasch hervorsprudeln. So wurde es von meinem Vater vorgetragen. Man muß auch aus der Stimme des Joseph hören, daß er sehr alt und griesgrämig ist.

Ich glaube mich dunkel zu entsinnen, daß es auch eine andere Version gegeben hat, wo Maria singt: „...komm, wieg du mir das Kindlein ein". Ich weiß nicht mehr, welche Form die richtige ist. Mir ist die Form „...wann wiegst" geläufiger, aber logischerweise würde ich der anderen Form den Vorzug geben. Ich glaube, das „wann" wurde ähnlichkeitshalber von einem anderen Liede übernommen, das mit derselben Melodie beginnt: „Laurenzia, liebste Laurenzia mein, wann werden wir wieder beisammen sein? „Am Montag is Nudltag; wenn nur alli Tag Montag, Nudltag wäre und ich bei meiner Laurenzia wäre..." Das Lied wird siebenmal wiederholt, immer mit einem anderen Tag: Dienstag, Nockerltag; Mittwoch, Krauttag; Donnerstag, Fisolentag; Freitag, Erbsentag; Samstag, Brînzatag; Sonntag, Mehlspeistag. Die Speisen der Tage sind nicht fix, nur Montag und Dienstag sind immer Nudel- bzw. Nockerltag. Dieses „wann" ist sicher ins Weihnachtslied übernommen worden. Schöner und logischer wäre: „Komm, wieg du mir das Kindlein ein!"